St. Georg Freistett

 

Quelle: Andrea Lasch

Vortrag: 275 Jahre Kirche St. Georg in Freistett
 Einleitung
Nach den bereits zahlreich besuchten Kirchenführungen soll heute Abend ein Vortrag über die Geschichte der Kirche St. Georg die Veranstaltungsreihe zum 275 jährigen Neubau der St. Georgskirche abrunden. Der Vortag wird in drei Abschnitte unterteilt, wobei ein Abschnitt von Ilse Klein ausgearbeitet wurde und vorgetragen wird.
Der erste Teil beschäftigt sich mit der allgemeinen Kirchengeschichte von Freistett, anschließend wird Ilse Klein einige Biografien Freistetter Pfarrer vortragen und im Anschluss wird über die lange Odyssee des Neubaus der Kirche berichtet.
Begleitet von Bild und Kartenmaterial wünsche ich ihnen einen informativen und interessanten Vortrag.
Wann beginnt die Kirchengeschichte der Gemeinde Freistett?
Eine nicht ganz einfache Frage. Denn es sind aus dem frühen Mittelalter, also aus Zeit der Christianisierung hier am Oberrhein, nur bruchstückhaft Urkunden und Aufzeichnungen vorhanden. In der Geschichtsforschung muss man sich somit mit den noch vorhandenen Quellen begnügen. Dies sind zu einem die lückenhaften und oft auch gefälschten Urkunden und zum anderen die noch vorhandene Bausubstanz jener Zeit, oder das was davon übrig ist.
Von Straßburg aus begann schon im 6. Jahrhundert die Christianisierung am Oberrhein. Die Klostergründungen Honau und Schwarzach waren weitere Wegbereiter zur Bekehrung des hiesigen Volksstammes der Alemannen.
Um auf die Frage zurückzukommen wann die Kirchengeschichte Freistetts beginnt, soll als erstes die älteste Urkunde von Freistett – dort als Fregistatt bezeichnet, genannt werden.
Diese älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 828. In ihr ist jedoch nichts über eine etwaige Kirche zu Freistett zu lesen, vielmehr geht es bei der Urkunde um das Recht auf zwei Äcker in Fregistat und dem Eckerich, also der Eichelmast im nahegelegen Maiwald, welches dem Kloster zu Schwarzach eingeräumt wurde.
Schwarzach hatte also Besitzungen in Freistett und die Bewohner hatten jährlich Abgaben an das Kloster in Schwarzach zu liefern.
Zu dieser Zeit dürfte in Freistett noch keine Kirche oder Kapelle bestanden haben, es ist den Historikern jedenfalls nichts darüber bekannt.
Zu den ältesten Kirchen im Hanauerland gehört neben dem Kirchspiel Kork, das Kirchspiel von Rheinbischofsheim. Dort befand sich nachweislich ab 1218 ein Pfarrer namens Wernherus.
Zum Kirchspiel Rheinbischofsheim gehörten vor der Reformation die Gemeinden Nieder- und Oberfreistett, Memprechtshofen und Renchenloch. Nach der Reformation kamen noch Hausgereut und Holzhausen sowie Diersheim hi.
Somit war Rheinbischofsheim mindestens seit Beginn des 13. Jahrhunderts für die seelsorglichen Aufgaben von Freistett zuständig.
Wie muss man sich Freistett um diese Zeit vorstellen?
Wie bereits erwähnt, ist in alten Urkunden immer wieder von den „Beeden Freistetten“ also von zwei Freistetten die Rede - Niederfreistett und Oberfreistett.
In der ältesten Erwähnung des Jahres 828 steht nur Fregistat – und die Experten sind sich einig, dass es sich dabei um das ältere Niederfreistett handelt.
Die Stätte des Frego – so wird der Ortsname Freistett in seiner Herkunft gedeutet, befand sich auf einer Erhöhung, einem sogenannte Gestade direkt an einem der zahlreichen Rheinarme.
Arthur Hügel hat in künstlerischer Weise versucht, sich in diese Zeit hineinzuversetzen. Eine lose Ansammlung einfacher Hütten, so könnte es um das Jahr 1200 in Niederfreistett ausgesehen haben.
Um diese Zeit wurde auch eine Kapelle in Niederfreistett erbaut. Ein genaues Baudatum kann aufgrund fehlender Quellen nicht genannt werden, hier kommt somit die bautechnische Untersuchung zur Hilfe. Anhand dentrochronlogischer Untersuchungen des Holzbalkens auf der Innenseite der Eingangstür konnte dieser auf das 9. / 10. Jahrhundert eingestuft werden, während Teile der Backsteinwände in das 11. und 12. Jahrhundert datiert werden.
Wenn auch das Heidenkirchel im Laufe der Jahrhunderte viele baulicher Veränderungen erfahren musste, sein Ursprung kann mit Sicherheit in diese Zeit datiert werden.
Das Heidenkirchel – das älteste Gotteshaus im Hanauerland. Bevor wir in die Zeit der Reformation und der Selbständigkeit der Kirchengemeinde Freistett eintauchen, soll kurz einiges zur Kapelle St. Nikolaus, wie das Heidenkirchel eigentlich heißt, angesprochen werden.
Eng verbunden ist das Heidenkirchel mit der Geschichte des Maiwaldes. Dieses ehemalige große Waldgebiet zwischen Rhein und Vorgebirgszone war eine Schenkung von Uta von Schauenburg. Sie war auch die Gründerin des Klosters Allerheiligen und lebte im 12. Jahrhundert.
In dem sogenannten Maiwaldbrief aus dem Jahre 1534, welcher sich auf ältere Urkunden stützt, vermacht diese Uta von Schauenburg das Waldgebiet des „Gemein Walds“ der Mutterkirche zu Ulm und Renchen, sowie den zwei Kapellen in beiden Freistetten.
Dieser Maiwaldbrief, beruhend auf die Schenkungsurkunde des 12. Jahrhundert, gibt somit einen Hinweis auf die Existenz der beiden Freistetter Kapellen – St. Nikolaus in Niederfreistett und St. Georg in Oberfreistett.
Was ist der Unterschied zwischen einer Kapelle und einer Kirche?
Bei einer Kapelle spricht man von einem kirchlichen Bau jedoch ohne eigene Pfarrei. Was auch für das damalige Freistett zutraf. Denn wie bereits erwähnt, mussten die Freistetter zur Kirche nach Rheinbischofsheim. Dort fanden die sonn- und feiertäglichen Gottesdienste statt. Bei älteren Freistettern ist der Kirchweg nach Rheinbischofsheim noch ein Begriff. In einer alten Karte wurde dieser Weg auch eingezeichnet. Er führte durch das Tiefental, die heutige Durbanhofstraße geradewegs nach Rheinbischofsheim zur Kirche.
Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen wurden in den Kapellen in Freistett gehalten.
Rund um die Kapellen befanden sich auch Friedhöfe, sowohl in Nieder- als auch in Oberfreistett.
Belege hierfür geben Eintragungen in den Kirchenbüchern. Der letzte Eintrag einer Bestattung am „unteren Kirchhof“ war die eines 12 Wochen alten Jungen im Juni 1632.  Aber hier gibt es neben schriftlichen Aufzeichnungen auch weitere Belege in Form von Skelettfunden rund um die Kirche, die die Existenz eines Friedhofes um die Kapelle untermauern.
Wie lange das Heidenkirchel für Gottesdienste genutzt wurde ist nicht eindeutig belegbar.
Mindestens jedoch bis zur Selbstständigkeit der Pfarrei Freistett im Jahre 1579, danach wohl nur noch in Form von Begräbnissen.
Ich möchte nun das Heidenkirchel noch etwas näher beschreiben, weil uns dieses Gotteshaus eine Vorstellung gibt, wie auch der Vorgängerbau der St. Georgskirche ausgesehen haben könnte.
Eine alte Aufnahme aus den 1920er Jahren zeigt uns das Heidenkirchel in einem unrestaurierten und verbauten Zustand.
Dass das Gebäude teilweise zerstört wurde, lässt sich am besten mit den Aufnahmen von Martin Wiederrecht aus den 1950er Jahren dokumentieren.
Die Aufnahmen zeigen unterschiedliche Mauerwerke, Baufugen und ähnliche Hinweise. Ob das Heidenkirchel schon immer in dieser Erscheinungsform bestand, kann nicht gesagt werden, da keinen Aufzeichnungen und Beschreibungen der Kapelle vor deren Zerstörung vorliegen.
Keine Veränderung erfuhr der Grundriss, dieser ist seit der Erbauung gleich.
Die Bilder zeigen deutliche Unterschiede im Mauerwerk. Vor der Restaurierung war gut der sichtbare Absatz in der oberen Hälfte des Glockenturms sichtbar. Auf einer weiteren Aufnahme, weiter unten, im Chorraum ist ein weiterer Schnitt im Ziegelwerk erkennbar, der auf einen nicht mehr originalen Turm verweist.
Ebenso die Nordseite des Langhauses, hier sind in der Mitte der Wand unterschiedliche Ziegelsteine erkennbar.
Nachdem das Heidenkirchel im Laufe der Zeit immer mehr an kirchlicher Bedeutung verlor, nutzte man es zu vielerlei anderen Zwecken, dem Alter des Gebäudes jedenfalls sehr unwürdig. So diente die Kapelle als Holzlagerschopf und Aufbewahrungsraum für allerhand Gegenstände. An der Nordseite wurde ein Anhangschopf zur Aufbewahrung der Feuerwehrspritze errichtet und am Fuße des Turms wurde ein Eiskeller der nahegelegenen Wirtschaft gegraben.
Einzig das äußere Erscheinungsbild sowie das Glöcklein im Turm zeugten von der einstigen Nutzung als Kapelle.
Die Glocke jedoch, die heute noch im Turm des Heidenkirchels täglich läutet, hing einst in der Kirche St. Georg. Es ist einem glücklichen Umstand zu verdanken, dass sie heute noch erhalten ist.
Die Glocke mit der Inschrift „Ave Maria gracia plena ano domino 1447“ – Gegrüßt seist du Maria voll der Gnaden – 1447, hing bis nach dem Ersten Weltkrieg im Glockenturm von St. Georg.
Sie blieb als einzige Glocke von der Glockenabgabe verschont. Alle weiteren Glocken, zwei Glocken in St. Georg und die einzige Glocke des Heidenkirchels mussten 1917 an die Kriegsindustrie abgegeben werden.
Nach dem Krieg wurden drei neue Glocken für St. Georg gegossen und die alte Glocke des Jahres 1447 wurde in das Heidenkirchel verbracht. Der Glockenstuhl stammt aus dem Jahr 1630.
Nach dieser Exkursion zum Heidenkirchel, kehren wir wieder zurück zur allgemeinen Kirchengeschichte, diesmal ins 16. Jahrhundert.
Das Jahr 1517 sollte die Kirche in ihren Grundfesten für immer verändern. Mit dem Anschlag der 95 Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg durch Martin Luther begann die Reformation. Diese sollte auch im Hanauerland und Freistett nicht ohne Folgen bleiben, wenn auch gleich die Einführung der Reformation in unserem Landstrich nicht gleich vollzogen wurde. 1525 bekannte sich Graf Philipp III. zu der neuen Lehre, doch Widerstand von Seiten des Klosters Schwarzach und dem streng katholischen Mitregenten Graf Reinhard von Zweibrücken-Bitsch, verhinderten vorerst die Einführung der Reformation. Erst nach und nach, zwanglos und ohne Gewalt wurde die Reformation schließlich doch in dem rechtsrheinischen Hanauerland eingeführt. So wurde in Bischofsheim 1564 nach dem Tod des katholischen Priesters ein evangelischer Pfarrer mit der neuen Stelle besetzt. Immer noch gingen die Freistetter und Memprechtshofener Bürger nach Bischofsheim zum Gottesdienst. Dies sollte auch noch bis in das Jahr 1579 so sein.
Im besagten Jahr sollte sich dies jedoch ändern. In einer vorhandenen Chronik des Jahres 1838, verfasst von dem damaligen Pfarrverwalter Wagner schrieb dieser folgendes:
… so stands bis 1579, wo der damalige Landesherr und Graf von Hanau im September nach Bischofsheim an einem Samstag kam, Derselbige besuchte mit seinem Gefolge tags darauf den Gottesdienst und staunte als er alle Gänge in der Kirche, so voll Menschen sahe, wie auch die Eingänge besetzt. Man sagte ihm es seie nicht Vorwitz (Neugierde) sondern die Kirche könne die Menge Menschen nicht fassen. Tags darauf als er auf die Jagd in den sogenannten Gayling ging und den beträchtlichen Ort Freistett sahe, kehrte derselbe im hiesigen Salmen ein und erkundigte sich um alles genau. Bei seiner Rückkehr nach Bischen, diktierte er sogleich seinem geheimen Sekretär eine Ordre an das damalige Consistorium in Buchsweiler das solches unverzüglich anstalten zu einem Pfarrhause treffen, einen Pfarrer hierher berufen und ihm eine Besoldung auswerfen sollen.
Gesagt wie getan. Ein Pfarrhaus wurde errichtet und 1582 wurde Christoph Acker als Pfarrer für Freistett mit Memprechtshofen und Renchenloch eingestellt.
Fortan wurde der sonntägliche und festliche Gottesdienst in der Kirche St. Georg gehalten. Warum St. Georg und nicht St. Nikolaus als Kirche diente liegt wohl an der bedeutenderen Lage der Kirche. Denn in dem ehemaligen Oberfreistett waren anders als in Niederfreistett zwei große Hofgüter sowie die wohlhabenden Landwirte ansässig. Niederfreistett war eher unbedeutend, da dort überwiegend Fischerfamilien wohnten.
Ob bei der Erhebung zur Pfarrei auch eine neue Kirche erbaut wurde ist unklar. Doch dazu später mehr.
Die Zeiten zum Ende des 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren friedlich und von einem gewissen Wohlstand geprägt.
Ein Blick in das älteste Kirchenbuch Freistetts, begonnen 1621 von Pfarrer Johannes Kappes, gibt einen ersten Einblick auf die Einwohner der Dörfer Freistett, Memprechtshofen und Renchenloch. Das Buch gehört zu den wichtigsten Dokumenten der Kirchengeschichte Freistetts. Das Vorgängerbuch, welches seit 1579 geführt wurde, ging in den zahlreichen Kriegswirren der folgenden Jahrzehnte leider verloren.
Denn diese Kriegswirren verschonten auch Freistett nicht.
Der 1627 eingesetzte Pfarrer Daniel Kirchner, hatte wohl eine der schwierigsten Dienstzeiten in der Freistetter Kirchengeschichte. Von ihm werden wir gleich von Ilse Klein noch mehr hören.
1618 begann der Dreißigjährige Krieg, welcher in seinen Anfängen hier noch nicht spürbar war. Doch die Aufzeichnungen im Kirchenbuch schildern, wie sich dieses ändern sollte.
Anno 1632 den 19. Februar ist der Flecken Willstätt darinnen etliche schwedische Soldaten gelegen, von kaiserlichen Soldaten auf Befehl Commisarii Ossa feindlich angefallen, eingenommen und bestenteils verbrannt worden, daviel niedergehauen und etliche neben dem Amtmann und Amtsschaffner gefänglich nach Breisach weggeführt, Weiber und Jungfrauen aber sehr geschändet worden.
Ähnlich erging es im April dem Städtchen Lichtenau, das vollständig niedergebrannt wurde.
Freistett litt ebenfalls unter den durchziehenden Soldaten, was durch die Eintragungen im Kirchenbuch belegbar ist. So flüchteten die Bewohner zwischen März und Mai 1632 auf die Rheininseln und versteckten sich dort vor den Soldaten. In verschiedenen Einträgen ist zu lesen:
Im Gayling getauft, im Haggrün getauft oder im Kälberwörth getauft.
Nach dem 30 jährigen Krieg muss Freistett einen trostlosen Eindruck gemacht haben. Große Teile des einst großen Dorfes lagen in Schutt und Asche, die Bevölkerung war stark dezimiert.
Nur langsam erholte sich die Gesellschaft von diesem Trauma.
Doch die Friedenszeiten sollten nicht von all zu langer Dauer sein.
1672 bis 1678 Holländischer Erbfolgekrieg
1688 bis 1697 Pfälzischer Erbfolgekrieg
1701 bis 1714 Spanischer Erbfolgekrieg
So gab es innerhalb von 42 Jahren nur 14 Friedensjahre.
Wieder geben zahlreiche Notizen im Kirchenbuch authentische Berichte darüber, was in jenen Jahren in Freistett vor sich ging.
Anno 1675 ist das große Dorf Freistett darinnen viele Gebäude bestanden kaiserlichen und französischem Kriegsheer grausam eingerissen und ruiniert worden.
Auch die Kirche wurde nicht verschont.
So schrieb Pfarrer Christoph Adami:
Nach dem Anno 1675 im Monat Julio das Gotteshaus oder Pfarrkirche zu Freistett grausam ruiniert, also ist auch die darinnen gestandene Kanzel abgerissen und verbrannt worden.
Nachdem 1682 wieder eine neue Kanzel errichtet wurde, erfuhr diese jedoch das gleiche Schicksal wie die Vorgängerkanzel. 1697 wurde die Kirche zum wiederholten Male zerstört.
In einem Bericht von Pfarrer Resch im September 1701 beschreibt er die damalige Situation.
Überdaß muss mit Betrübnis erzählen, das die Franzosen letzhin unser Dorf nicht nur, sondern auch unser liebes Gotteshaus in Grund ruiniert, absonderlich was das letzte betrifft so haben sie alles Eingebäude, oder Holz und Balkenwerk, beyde Lettner (Emporen), Steigen, Gestühl weggeworfen aufgetragen und verbrannt.Der Altar liegt auch über dem haufen, der Turm steht entblößt, und welches das aller gräulichste ist, so haben sie aus dem Kirchhof einen s.v. Schiedanger und aus der Kirche selbst ein gemeines Sch. H. sit venia verbo (man verzeichne das Wort) gemacht.
Die Situation des Dorfes Freistett, mit seinen Bewohnern, Gebäuden und der Kirche war zu Beginn des 18. Jahrhunderts an einem Tiefpunkt angelangt.
Es musste etwas geschehen. Pfarrer Resch stand in aufwendigem Schriftverkehr mit der Regierung und den Ämtern.  Freistett benötigte eine neue Kirche.
Der lange Weg zur neuen Kirche
Nach den verheerenden Zerstörungen der Kriege wurde unter Pfarrer Resch die Kirche wieder notdürftig repariert. Geld für einen Neubau war durch die kriegerischen Ereignisse keines mehr vorhanden. Somit musste man sich mit den geringsten Mitteln begnügen.
Wie langwierig diese Arbeiten vor sich gingen, zeigen die zahlreichen Briefe des Pfarrers, in denen er immer wieder die Missstände in der Kirche und dem Pfarrhaus vorbringt und eine Beseitigung derer einfordert. So dauerte es drei Jahre, bis eine neue Kanzel errichtet wurde und weitere fünf Jahre bis auch die Pfarrgebäude ausgebessert wurden.
In den folgenden Jahren verlangte es von den Pfarrern ein großes Maß an Geduld, wenn es um die Eingaben zum dringend notwendigen Neubau einer Kirche in Freistett ging.
1717 wurde berichtet, dass das Dach dermaßen schadhaft sei, dass das Wasser hin und her laufe und die Glocke beim Läuten den Turm zum Schwingen bringen würde, immer mit der Gefahr, dass er einzustürzen drohe.
Einige Jahre später, richtete Pfarrer Andreas Schmidt eine Bittschrift an das Amt in Buchsweiler. Er bemängelt, dass seine Gemeinde die Einwohnerstärkste in den beiden rechtrheinischen Ämtern sei, das Gotteshaus sei jedoch das kleinste im ganzen Land. Nicht einmal die Hälfte seiner Kirchengemeinde findet Platz in der Kirche, so dass es oft zu Zänkereien, ja sogar zu Schlägereien um die Kirchensitze käme.
Auch der Friedhof um die Kirche, welcher scheinbar 1725 noch bestand, sei in einem jämmerlichen Zustand. Die Mauer, die den Kirchhof und die Kirche umgab war so schadhaft, das das Vieh über die Gräber lief.
Zwischen diesen vielen Eingaben und dem Schriftwechsel zwischen Pfarrer und Amt, findet sich in den darüber geführten Akten ein erster Bauplan, welcher von dem Freistetter Zimmermann Hans Michel Schiehli gefertigt wurde.
Auf dem Plan sind unter anderem auch die Maße der neu zu erbauenden Kirche eingezeichnet. So sollte das Langhaus 50 Schuh lang und 32 Schuh breit werden. Sprich in heutigem Maß ca. 10 x 15 m.
Der Plan wurde wieder bei Seite gelegt, nichts geschah. Die Gemeinde, die nach den Kriegen wieder zur Ruhe kommen konnte, und sich dadurch auch beständig in ihrer Einwohnerzahl vermehrte, vereinfachte die Situation keineswegs.
1730 erfolgte eine weitere ausführliche Bittschrift des Pfarrers. Demnach wurden die Sitze in der Kirche ausgemessen. So kommt er auf 300 Halb Manns und Halb Weibspersonen. Sprich 150 Plätze für die Männer und 150 Plätze für die Frauen. Seine Kirchengemeinde zählt aber mittlerweile über 450 Personen, so dass es unmöglich ist, jedem einen Platz zu bieten. Er unterstrich die Notwendigkeit einer größeren Kirche auch damit, dass die Familie des Mirillischen Gutes, der ehemalige große Gutshof direkt neben dem heutigen Rathaus, um einem gesonderten Platz mit eigenen Stühlen bat. Auch die große Zahl neuer reformierter Bürger aus Memprechtshofen, die sich dort niederließen, würden wie er schrieb „den Gottesdienst fleißig besuchen“.
Nach dieser erneuten Eingabe kam scheinbar etwas Bewegung in die Angelegenheit. So wurde ein Grundriss der bestehenden Kirche angefertigt. Dieser Grundriss gibt einen ersten Einblick auf den Vorgängerbau der heutigen St. Georgskirche.
Auf der linken Seite auf der westlichen Giebelseite befand sich das Eingangsportal, auf der südlichen Seite des Langhauses ist eine kleinere Seitentür erkennbar. Die Form des Turms war nicht quadratisch sondern lief gegen Osten etwas enger zusammen. Der eingezeichnete Halbkreis deutete das Chorgewölbe an.
Der aufmerksame Betrachter bemerkt nun, dass es gewisse Ähnlichkeiten mit dem in Niederfreistett stehenden Heidenkirchel gab. Dort war, abgesehen vom Turm, das Langhaus identisch. Glücklicherweise wurden auch hier die Maße eingetragen und es konnte die Größe der ehemaligen Kirche St. Georg rekonstruiert werden.
So war das Langhaus 40 Schuh lang und 24 Schuh breit. Sprich ca. 7 x 12 m.
Ein weiterer vergleich mit dem Heidenkirchel führt zum Ergebnis, dass die St. Georgskirche fast genauso groß war wie das heute noch bestehende Heidenkirchel, jedoch mit der Ausnahme, dass die Georgskirche etwa 1,5 m länger war.
Ein weiterer Unterschied zum heutigen Heidenkirchel war, dass die alte Georgskirche zwei Emporen hatte. D.h. die Kirche muss etwas höher gewesen sein als das Heidenkirchel, wobei man nicht mit den heutigen großzügigen Raumverhältnissen rechnen darf. Das ganze Kircheninnere muss sehr niedrig und beengt gewesen sein.
Doch nun wieder zurück zu den Verhandlungen über den Neubau. Die Regierung war 1730 endlich bereit, einen Kirchenneubau voranzutreiben. Es wurde jedoch dem damaligen Staabhalter Hans Peter Veith aufgetragen, dass wenn es zu einem Neubau kommen sollte, die Bürgerschaft in Fronarbeit das Baumaterial herführe und auch weitere Arbeiten in Frohn ausführen musste.
Doch dies wurde von der Bürgerschaft abgelehnt, mit der Begründung, dass sie schon so viel andere Frohnarbeit leisten muss.
Die Regierung lehnte dies jedoch ab und drohte mit einer Einstellung der Verhandlungen. So blieb der Gemeinde nichts anderes übrig als klein bei zu geben. In einem gemeinsamen Schreiben versicherten sie, Baumaterialien wie Stein, Holz, Kalk, Sand und Ziegel gratis und ohne Fuhrlohn herbei zu führen, damit der dringend notwendige Bau ausgeführt werden könne.
Doch wie es auch heute noch oft genug der Fall ist, die Finanzierung des Baus stand auf wackligen Füßen. Mittlerweile schrieb man das Jahr 1739 und es wurde immer noch über die Finanzierung verhandelt. Die Regierung verlangte von der Gemeinde Freistett und Memprechtshofen, dass diese 1000 fl zum Neubau der Kirche beisteuern. Doch angesichts der durch die Kriegswirren leeren Gemeindekassen, war dies eine für die Gemeinden fast gar unmögliche Leistung. So wurden im September 1740 Liegenschaften, welche der Almosenfonds geerbt hatte, öffentlich versteigert, dessen Erlös in die Finanzierung miteinfloss. Die Gemeinde Memprechtshofen, welche ebenfalls 200 fl mitzufinanzieren hatte, bat um eine Spende, bzw eine Erlaubnis Spenden sammeln zu dürfen, da das Dorf nur noch 30 Bürger zählte, die durch die vorhergegangenen schlechten Zeiten völlig mittellos wurden. Diesem Gesuch wurde entsprochen und die Gemeinde erhielt ein sogenanntes Sammel-Patent. Ebenfalls im Herbst 1740 erfolgte die erste Abschätzung der Handwerkskosten, sprich die Handwerker, allen voran der Zimmermann, Maurer, Schmied und Schreiner mussten eine Auflistung der Arbeiten und deren Kosten aufführen. Des Weiteren wurde bei dem Schiffer Trautwein in Schiltach das benötigte tannene Bauholz bestellt.  
Der Bau begann wohl im Winter 1740/41 mit dem Abtragen der alten Kirche. Denn am 27.April 1741 wurde feierlich der Eckstein des Fundaments gelegt. Die Arbeiten mussten scheinbar sehr gut verlaufen sein, denn schon im September 1741 berichtete Kirchenschaffner Alberti, wörtlich: „das das Kirchenbauwesen zu Freistett nun unter dem Beistand Gottes so weit kommen das dasselbe glücklich unter Dach gebracht worden und an den Innengebäuden jetzto gearbeitet werde.“
Doch kurz vor der Fertigstellung des Baues kam es wieder zu einem lebhaften Briefwechsel zwischen der Kirche und der Regierung. Es ging um die Finanzierung der Altarplatte aus Stein sowie der Wappentafel über dem Haupteingang. Die Kosten dafür betrugen 17 fl., die Regierung wollte jedoch nur 8 fl. daran bezahlen, den Rest sollte die Gemeinde zahlen. Doch diese wehrte sich mit dem Argument, das sie bereits 1000 fl und sämtliche Fronarbeiten an der Kirche geleistet hätte. Nach längerem hin und her bewilligte die Regierung die Anschaffung.
Doch das war nicht das einzige. Bei dem Neubau der Kirche sprechen wir nur über den Neubau des Langhauses welches im Jahr 1741 errichtet wurde. Der Turm der Kirche sollte nicht neu gebaut werden. Da das neue Langhaus jedoch sehr viel größer war als das alte, bestand nun das Problem, das die Proportionen von Langhaus und Turm nicht mehr zusammen passten, zumal der Turm nicht aus Stein, sondern in Holzbauweise errichtet wurde und mit Dielen verschalt war. Doch dieser Bitte wurde scheinbar nicht entsprochen, jedenfalls ist nichts über einen Neubau oder eine Erhöhung des Kirchturms, wie es angedacht wurde, zu lesen.
Eine weitere Bitte der Gemeinde war die Anschaffung einer neuen Glocke für die neuerbaute Kirche. Wenn auch in den Akten nichts über die Anschaffung einer Glocke zu lesen ist, wurde scheinbar eine Glocke gegossen. Sie hing bis 1917 im Turm der Kirche. Auch eine Pause des Reliefs der Glocke von 1741 befindet sich in den Kirchenakten.
Am 28. November 1741 war es schließlich soweit, die Einweihung der Kirche konnte gefeiert werden.
Wie sah die Kirche bei ihrer Fertigstellung aus?
Aus einer Beschreibung der Kirche einige Jahre nach ihrer Einweihung wissen wir, dass anfangs nur eine Empore auf der Südseite bestand. Der Chor, also das Erdgeschoss des Kirchturms, war offen und die Kanzel befand sich von der Gemeinde aus gesehen links vom Chorraum. Der Chorraum selbst war mit Bänken versehen und beiderseits des Altars befanden sich weitere Bänke und die sogenannten Kästelstühle. Diese Stühle waren reich verziert und waren besondere Plätze für die Kirchenältesten, Beamten, herrschaftlichen Angestellten wie beispielsweise dem Förster oder Entenfänger, und Gutsbesitzer.
Ebenfalls ist bekannt, dass sich auf der Nordseite des Langhauses Malereien befanden, sowie Bibelsprüche. Rund um die Fenster war Blattwerk aufgemalt. Eine Orgel war nicht vorhanden, die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes erfolgte durch die Schüler.
Schon bald nach der Einweihung der Kirche gab es ähnliche Probleme wie vor dem Neubau – und zwar wie es heißt „eine große Unordnung wegen der Kirchensitze“.
Zwar waren nun ausreichend Plätze vorhanden, doch es gab sehr oft Streit über die Verteilung derer. Die Regierung in Buchsweiler sah zur Lösung des Problems keinen anderen Ausweg als eine Regelung zu treffen und die Sitze bezahlen zu lassen. Das heißt, es wurde eine Gebühr für die Kirchensitze erhoben, je näher am Altar und der Kanzel desto höher war die Gebühr.
In der Zwischenzeit kam es auch im Dorf Freistett zu großen Veränderungen. Schon während des Neubaus der Kirche begann der aus Straßburg stammende Georg Daniel Kückh damit, in Freistett einen großen Handelsplatz zu planen. Seine Frau war Miterbin des Mirillischen Gutes, direkt neben der Kirche. Dort zwischen seinem Wohnhaus und der Kirche ließ er um 1740 ein großes Verwaltungsgebäude errichten – das heutige Rathaus.
Das neuerbaute Langhaus und der alte hölzerne Turm boten dem Betrachter mit Sicherheit keinen ehrwürdigen Anblick. Doch nicht nur ästhetisch war der Turm den Bürgern ein Dorn im Auge, auch in puncto Sicherheit war der Turm nicht mehr von bester Beschaffenheit. So wurde 1755 der Versuch unternommen, die Regierung zum Bau eines neuen Turms zu bewegen.
Doch diesem Wunsch wurde nicht entsprochen. Der Turm wurde lediglich ausgebessert, so dass die Gefahr des Einsturzes bewahrt wurde. Für einige Jahre geht aus den Akten nichts Bemerkenswertes mehr hervor.
Erst im Jahre 1788 verfasste der damalige Pfarrer Schulmeister einen langen Brief samt Plan an die Regierung und schilderte die Lage, in der sich die Kirche befand.
Durch die Gründung der Stadt Neufreistett und das stetige Wachsen der Bevölkerung wurde die Kirche wieder einmal zu klein. Auch der immer noch bestehende hölzerne Turm und dessen statische Unsicherheit waren Gründe für sein Schreiben, in dem er auch gleich Lösungsansätze unterbreitete.
So schlug er vor, im Rahmen eines Neubaus des Turms, auch gleich das Langhaus zu erweitern, damit wieder alle Platz finden könnten. 
Schulmeister schlug vor, da aus Platzgründen eine Erweiterung der Kirche an Stelle des alten Turmes nicht möglich sei, diese auf der gegenüberliegenden Seite durchzuführen. D.h. den alten Turm abbrechen, ebenso die Giebelseite zur Straße hin. Dort das Langhaus verlängern und einen Turm auf das Langhaus setzen.
Oder anstelle des alten Turms das Langhaus durch eine Rundung verlängern und den neuen Turm auf der Straßenseite neu aufzurichten.
Aus dem weiteren Schriftverkehr geht hervor, dass sich das Problem nicht so einfach lösen ließ. Denn wie sollte man vorgehen, Geld war wie immer knapp.
Nach langem Hin und Her wurde schließlich ein weiterer Lösungsansatz in Betracht gezogen. Um die Kosten für einen neuen Turm und die aufwändige Erweiterung des Langhauses aus dem Weg zu gehen, beschloss man die Kirchgänger aus Memprechtshofen, welche immer noch nach Freistett zum Gottesdienst kamen, die Erlaubnis zum Bau einer eigenen Kirche zu erteilen.  So war für die St. Georgskirche nur noch der Neubau des Turms eine zu bewältigende Aufgabe. 1790 war es schließlich soweit. Der Neue Kirchturm wurde errichtet und der Bau der St. Georgskirche konnte nach seinem Beginn im Jahre 1741 endlich abgeschlossen werden.
Wenn man sie vorstellt mit welchem Eifer, welcher Hartnäckigkeit und welcher Aufopferung sich unsere Vorfahren für den Bau eines neuen Gotteshauses aufopferten, müssten wir heute eigentlich ehrfürchtig in den Bänken sitzen.
Ob so eine Leistung heute noch möglich wäre?  Ich wage es zu bezweifeln.
Dirk Wacker
Archivar